Laufweste kaufen: Worauf es bei Ultra und Trail ankommt

Von Jochen Setzer ·

Volumen, Passform, Flaschen oder Trinkblase: So findest du die Laufweste, die auch nach acht Stunden nicht scheuert oder hüpft.

Wer länger als zwei Stunden unterwegs ist, braucht Wasser, Essen und irgendwann eine Jacke. Bei einem Trail-Ultra kommen Stirnlampe, Rettungsdecke und weitere Pflichtausrüstung dazu. Die Lösung heißt Laufweste. Eine gute Weste merkst du nach einer Stunde nicht mehr. Eine schlechte merkst du nach 50 Kilometern an jeder wunden Stelle.

Was ist eine Laufweste?

Eine Laufweste (englisch: running vest oder hydration vest) ist ein leichter Rucksack, der wie eine Weste geschnitten ist. Sie sitzt hoch am Oberkörper, wird vorne mit zwei oder mehr Brustgurten geschlossen und verteilt das Gewicht gleichmäßig. Vorne findest du Taschen für Soft Flasks, Gels und Handy, hinten ein Hauptfach für Jacke und Ausrüstung.

Das richtige Volumen

Volumen Einsatz Typischer Inhalt
1–4 Liter lange Trainingsläufe, Straßen-Ultras 2 Soft Flasks, Gels, Handy, Schlüssel
5–8 Liter die meisten Trail-Ultras bis 100 km dazu Regenjacke, Stirnlampe, Rettungsdecke
10–12 Liter 100 Meilen, Bergläufe mit Pflichtausrüstung dazu Wärmeschicht, Handschuhe, Mütze, mehr Essen
15+ Liter Etappenläufe, Fastpacking, Selbstversorgung Ausrüstung für mehrere Tage

Für den Einstieg ist eine Weste mit 5 bis 8 Litern die vielseitigste Wahl. Sie ist klein genug für lange Trainingsläufe und groß genug für die Pflichtausrüstung der meisten Rennen.

Die Passform ist alles

Das Volumen ist schnell gewählt, die Passform ist die eigentliche Herausforderung:

Soft Flasks, Flaschen oder Trinkblase?

Soft Flasks (weiche Faltflaschen mit 350–600 ml) sind bei Ultraläufern der Standard. Sie schrumpfen beim Trinken, hüpfen nicht und lassen sich an Verpflegungsstellen schnell auffüllen. Tipp: Lange Trinkhalme ersparen dir das Herausziehen der Flasche.

Eine Trinkblase im Rücken fasst 1,5 bis 2 Liter und ist praktisch für lange Abschnitte ohne Verpflegung. Nachteil: Das Nachfüllen dauert, und du siehst nicht, wie viel noch drin ist.

Harte Flaschen sind günstig und robust, klappern aber und drücken oft auf die Brust.

Ausstattung, die sich lohnt

Häufige Fehler beim Westenkauf

  1. Zu groß gekauft. Eine zu große Weste hüpft, und dagegen hilft kein Festzurren.
  2. Nur leer anprobiert. Mit zwei vollen Flaschen sitzt alles anders.
  3. Zu viel Volumen. Wer Platz hat, packt ihn voll, und jedes Kilo zählt nach 60 Kilometern.
  4. Nicht im Training getestet. Scheuerstellen zeigen sich oft erst nach drei Stunden. Lauf mehrere lange Läufe mit der Weste, bevor sie an den Start geht.

Pflege

Nach jedem Lauf ausspülen, Soft Flasks mit warmem Wasser und gelegentlich etwas Natron reinigen und gut trocknen lassen. Die Weste selbst per Hand oder im Schonwaschgang ohne Weichspüler waschen, so bleiben Material und Gummizüge länger elastisch.

Was sonst noch in eine gute Ultra-Ausrüstung gehört, liest du im Artikel zur besten Laufausrüstung.

Häufige Fragen

Wie viel Liter sollte eine Laufweste haben?

Für Läufe bis etwa drei Stunden reichen 2 bis 5 Liter. Für die meisten Trail-Ultras mit Pflichtausrüstung sind 5 bis 12 Liter ideal. Mehr als 12 Liter brauchst du nur für sehr lange, kaum versorgte Rennen oder wenn du selbstversorgt unterwegs bist.

Laufweste oder Trinkrucksack – was ist der Unterschied?

Eine Laufweste sitzt hoch und eng am Oberkörper wie ein Kleidungsstück und hat vorne Taschen für Flaschen und Verpflegung. Ein klassischer Trinkrucksack sitzt tiefer, wird über Hüftgurt fixiert und neigt beim Laufen eher zum Hüpfen. Zum Laufen ist die Weste klar die bessere Wahl.

Soft Flasks oder Trinkblase?

Soft Flasks vorne sind schneller nachzufüllen und du siehst, wie viel du getrunken hast. Eine Trinkblase im Rücken fasst mehr, ist aber an Verpflegungsstellen umständlich. Viele Ultraläufer nutzen Soft Flasks und nehmen die Blase nur für lange Abschnitte ohne Verpflegung mit.

Brauchen Frauen eine spezielle Laufweste?

Oft ja. Damenmodelle haben einen anderen Schnitt im Brustbereich, die Flaschentaschen sitzen meist höher oder seitlicher. Viele Läuferinnen finden darin eine deutlich bessere Passform – ausprobieren lohnt sich.

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