Backyard Ultra: Regeln, Rekorde und Tipps für Einsteiger

Von Jochen Setzer ·

Jede Stunde 6,706 km, bis nur noch eine Person übrig ist: So funktioniert das verrückteste Format im Ultralaufen – und so überstehst du deine ersten Runden.

Der Backyard Ultra ist das vielleicht einfachste und zugleich gemeinste Format im Laufsport. Es gibt keine feste Distanz und kein Ziel. Es gibt nur eine Uhr, eine Runde und die Frage, wer zuletzt noch steht.

Was ist ein Backyard Ultra?

Die Regeln passen auf einen Bierdeckel:

  1. Jede volle Stunde startet eine Runde über 6,706 Kilometer (4,167 Meilen).
  2. Wer die Runde nicht innerhalb der Stunde beendet, scheidet aus.
  3. Wer zum Start der nächsten Runde nicht im Startbereich steht, scheidet aus.
  4. Das Rennen geht weiter, bis nur noch eine Person eine volle Runde allein läuft. Sie ist die einzige Finisherin oder der einzige Finisher.

Alle anderen bekommen ein DNF (did not finish), auch wer als Letzter aufgibt. Daher der englische Spitzname Last One Standing.

Die krumme Rundenlänge hat einen Grund: Nach 24 Runden, also einem Tag, stehen genau 100 Meilen auf der Uhr.

Woher kommt das Format?

Erfunden hat den Backyard Ultra Gary Cantrell, besser bekannt als „Lazarus Lake“. Er ist auch der Kopf hinter den berüchtigten Barkley Marathons. Das Original, Big’s Backyard Ultra, findet auf seinem Grundstück in Tennessee statt, wörtlich im Hinterhof, und ist nach seinem Hund Big benannt. Inzwischen gibt es weltweit hunderte Backyard-Rennen, nationale Meisterschaften und eine Team-Weltmeisterschaft. Auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz finden jedes Jahr zahlreiche Backyards statt.

Rekorde

Die Rekorde im Backyard Ultra sind schwer zu begreifen. Die Weltspitze läuft inzwischen über 100 Runden, also mehr als 670 Kilometer in mehr als vier Tagen ohne richtigen Schlaf. Der US-Amerikaner Harvey Lewis gewann Big’s Backyard 2023 mit 108 Runden. Seitdem verschieben sich die Bestmarken regelmäßig weiter.

Für normale Menschen ist das Ziel natürlich ein anderes: die eigene Grenze verschieben. Typische Meilensteine sind:

Runden Distanz Meilenstein
7 46,9 km Marathon geschafft – du bist Ultraläufer
8 53,6 km über 50 km
12 80,5 km 50 Meilen
15 100,6 km 100 km
24 160,9 km 100 Meilen in 24 Stunden

Strategie: So überstehst du möglichst viele Runden

Pacing

Die meisten laufen ihre Runde in 45 bis 50 Minuten. Das bringt zehn bis 15 Minuten Pause für Essen, Trinken, Toilette und Schuhwechsel. Wer deutlich schneller läuft, gewinnt nichts, denn jede Runde startet zur vollen Stunde. Wer langsamer läuft, hat keine Zeit mehr zum Essen.

Die Pause effizient nutzen

Organisiere deinen Platz im Startbereich so, dass du alles ohne Suchen findest. Iss in jeder Pause etwas, auch wenn du keinen Hunger hast. Leg Ersatzkleidung, Stirnlampe und warme Schichten für die Nacht griffbereit. Eine Crew ist Gold wert.

Die Nacht

Bei vielen Backyards wechselt die Strecke nachts von einem Trail auf eine flache Straßenrunde. Plane die Nacht trotzdem bewusst: Kalorien, warme Kleidung, Koffein in Maßen. Viele Teilnehmende scheiden nicht wegen der Beine aus, sondern zwischen 2 und 5 Uhr morgens im Kopf.

Nicht vergleichen

Ein Backyard ist ein Rennen gegen alle, aber vor allem gegen dich selbst. Setz dir ein persönliches Ziel, etwa 50 km, 100 km oder einen Sonnenaufgang, und lauf dein eigenes Rennen.

Warum der Backyard ein super Einstieg ist

Ein Backyard Ultra klingt extrem, ist für Einsteiger aber überraschend freundlich:

Wenn dich das Format reizt, bereite dich wie auf einen normalen Ultra vor. Der Trainingsplan für den ersten 50er ist eine solide Basis, mit etwas mehr Gehtraining, denn auch Gehen bringt dich im Backyard ins Ziel der Runde. Termine findest du über die Kalender, die ich bei den Ultraläufen in Deutschland verlinkt habe.

Häufige Fragen

Wie lang ist eine Runde beim Backyard Ultra?

Eine Runde ist 4,167 Meilen beziehungsweise rund 6,706 km lang. Nach 24 Runden hat man so genau 100 Meilen zurückgelegt.

Wer gewinnt einen Backyard Ultra?

Gewonnen hat, wer als einzige Person noch eine Runde vollständig und innerhalb der Stunde läuft, nachdem alle anderen aufgegeben haben oder nicht rechtzeitig zurück waren. Alle anderen erhalten ein DNF – auch der oder die Zweitplatzierte.

Wie schnell muss man beim Backyard Ultra laufen?

Für 6,706 km in 60 Minuten reicht ein Schnitt von knapp 9 Minuten pro Kilometer, also zügiges Gehen mit etwas Laufen. Wer schneller läuft, hat mehr Pause zwischen den Runden, aber auch mehr Ermüdung.

Ist ein Backyard Ultra gut für den ersten Ultra?

Ja, überraschend gut. Du läufst eine kurze, bekannte Runde, hast jede Stunde Zugang zu deiner Verpflegung und kannst nach jeder Runde aufhören. Schon nach sieben Runden hast du mit rund 47 km die Marathondistanz überschritten.

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